Hitze bringt Wasserversorgung an ihre Grenzen – Kommunale Stadtwerke sichern Versorgung auch an Spitzentagen
[64/2026] Bad Bergzabern, 23. Juli 2026 – Häufigere Hitzewellen, längere Trockenperioden und ein steigender Wasserbedarf stellen die kommunale Wasserversorgung vor neue Herausforderungen. Wie sich die Trinkwasserversorgung auch unter diesen Bedingungen zuverlässig sichern lässt, darüber informierten sich die Landesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Rheinland-Pfalz, Carolin Cloos, die Landtagsabgeordnete Dr. Lea Heidbreder und die Europaabgeordnete Jutta Paulus bei einem Besuch der Stadtwerke Bad Bergzabern. Geschäftsführer Christian Müller und Technischer Leiter Thomas Fetzer erläuterten, wie sich der kommunale Versorger auf die Folgen der Klimakrise einstellt.
Die Stadtwerke Bad Bergzabern versorgen rund 11.600 Menschen zuverlässig mit Trinkwasser und betreiben darüber hinaus die Stromversorgung in der Region. Seit mehr als 15 Jahren engagiert sich das kommunale Unternehmen im Klimaschutz. Im Mittelpunkt des Austauschs standen die konkreten Folgen der Klimakrise für die kommunale Wasserversorgung. An heißen Tagen steigt der Verbrauch um rund 30 Prozent. Besonders Gartenbewässerung, private Pools und Sportplätze sorgen an einzelnen Tagen für hohe Lastspitzen. Gleichzeitig liefern oberflächennahe Quellen in Trockenperioden zunehmend weniger Wasser.
Carolin Cloos, Landesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Rheinland-Pfalz, sagte:
„Was wäre, wenn aus dem Wasserhahn plötzlich kein Wasser mehr kommt? Trinkwasser ist unsere wichtigste Ressource und so selbstverständlich, dass wir uns dieses Szenario kaum vorstellen können. Die Klimakrise verändert schon heute unseren Umgang mit Wasser. Wichtig ist die verschiedenen Bedarfe nicht gegeneinander ausspielen – selbstverständlich sollen Sportplätze intakt bleiben, Bäume und Pflanzen erhalten und Schwimmbäder betrieben werden können. Genau deshalb müssen wir unsere Wasserversorgung heute für die Zukunft stärken.“
Die Landtagsabgeordnete Dr. Lea Heidbreder unterstrich die Bedeutung kommunaler Unternehmen:
„Die Klimakrise macht deutlich, wie wertvoll eine leistungsfähige kommunale Wasserversorgung ist. Es reicht nicht, nur auf die nächste Hitzewelle zu reagieren – wir müssen unsere Infrastruktur so aufstellen, dass sie auch in Zukunft zuverlässig funktioniert. Deshalb brauchen wir moderne Leitungsnetze, ausreichend Speicherkapazitäten und einen bewussten Umgang mit Trinkwasser. Bad Bergzabern zeigt, wie kommunale Versorger diese Verantwortung jeden Tag übernehmen. Die Beschäftigten kümmern sich nicht nur um den Betrieb der Infrastruktur, sondern sind auch direkte Ansprechpartner für die Menschen vor Ort.”
Die Europaabgeordnete Jutta Paulus machte deutlich, dass eine sichere Wasserversorgung nicht erst am Wasserwerk beginnt:
„Der beste Wasserschutz beginnt draußen in der Natur. Moore, Auen, gesunde Böden und naturnahe Wälder speichern Wasser wie ein Schwamm und füllen unsere Grundwasservorräte auf. Gerade nach langen Trockenperioden sehen wir, dass ausgetrocknete Böden Starkregen oft gar nicht mehr aufnehmen können – das Wasser fließt oberflächlich ab, statt gespeichert zu werden. Deshalb müssen wir unsere natürlichen Wasserspeicher stärken. Entsiegelte Flächen und Stadtbegrünung helfen dabei, Wasser zu halten und Städte besser gegen Hitze und Starkregen zu schützen. Natürlicher Wasserschutz ist damit aktiver Klimaschutz und eine Investition in unsere Versorgungssicherheit.“
Geschäftsführer Christian Müller erläuterte, dass sich die Folgen der Klimakrise bereits heute deutlich bemerkbar machen:
„Die Sommer beginnen früher, dauern länger und werden heißer. Zwar bringen Gewitter oft große Wassermengen, doch ausgetrocknete Böden können diese kaum aufnehmen. Gleichzeitig steigt an heißen Tagen der Verbrauch deutlich an – etwa durch Gartenbewässerung, private Pools oder die Beregnung von Sportplätzen. An solchen Tagen liegt unser Wasserbedarf rund 30 Prozent über dem Durchschnitt. Grundsätzlich steht ausreichend Trinkwasser zur Verfügung. Die Herausforderung sind die Verbrauchsspitzen. Darauf bereiten wir uns als kommunaler Versorger gezielt vor. Dank unseres Verbundsystems, einer bedarfsgerechten Wasseraufbereitung und der flexiblen Anpassung der Fördermengen können wir die Versorgung der Menschen dennoch jederzeit zuverlässig sicherstellen.“
Thomas Fetzer erklärte, dass insbesondere oberflächennahe Quellen empfindlich auf längere Trockenperioden reagierten. Deshalb würden Quellen und Wasserverbrauch kontinuierlich überwacht. Bei Bedarf passten die Stadtwerke Fördermengen und Wasseraufbereitung an und glichen Engpässe über das Verbundsystem mit den umliegenden Gemeinden aus. So sei die Versorgung der Bevölkerung jederzeit sichergestellt.
Der Besuch machte deutlich: Die Folgen der Klimakrise sind längst in der kommunalen Daseinsvorsorge angekommen. Damit die Trinkwasserversorgung auch in Zukunft zuverlässig funktioniert, braucht es langfristige Investitionen in Infrastruktur, den Schutz natürlicher Wasserspeicher und einen bewussten Umgang mit der Ressource Wasser.

Ein Blick hinter die Kulissen der Wasserversorgung
Technischer Leiter Thomas Fetzer (rechts) führte unter anderem Dr. Lea Heidbreder, Carolin Cloos, Christian Müller und Jutta Paulus (von links) durch das Trinkwasserreservoir und erläutert die Speicherung und Aufbereitung des Trinkwassers. Foto Louis Lamprecht; Copyright BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Rheinland-Pfalz.
